Ökotourismus im Iberá Naturreservat

Abenteuer-Urlaub im Naturreservat

Wenn wir vom Iberá Naturreservat sprechen, stossen wir unumgänglich auf die Bedeutung des Wassers und die grenzenlosen Formen, die dieses annehmen kann. In diesem enormen Feucht/-Sumpfgebiet bildet das Wasser das Grundelement, welches die Basis für sämtliches Leben ist.

Täglich öffnen sich tausende Blüten des Wassermohns und recken sich der Sonne entgegen. Nach dem Mittag schliessen sie sich wieder. Unbestritten tragen sie zur Farbgebung der Bootsfahrten bei.

Aufgrund seiner gewaltigen Grösse sowie anderen Faktoren, treffen wir auf verschiedene aquatische Ambiente, welche es uns wegen deren Farbschattierungen oft schwer machen, diese zu unterscheiden. Dorfbewohner (Jäger, Fischer und Gauchos) kennen diese sehr gut und sind die Autoren des Vokabulars, mit welchem wir heute diese verschiedenen Ambiente beschreiben: "bañado" (nasser Untergrund), "estero" (Sumpfgebiet), "tapial" (lehmiger Untergrund), "cañado" (feuchter jedoch bewachsener, hügeliger Untergrund) und einige weitere.

Dieses Brillenkaiman-Junge versucht sich zwischen der Vegetation und dem Lehm zu
verstecken. Während den ersten Lebensjahren endet eine grosse Anzahl der Kaimane als Beute
für grössere Kaimane, Schlangen sowie Raubvögel.

Selbstverständlich verbleiben grosse Flächen auch unerforscht, seien dies zum Beispiel solche, die von der Geschäftsleitung der Naturparke- und Reservate als unberührt deklariert werden oder solche, die aufgrund der Bodengegebenheiten schlichtweg nicht erreichbar sind. Die Lagune Iberá ist die zweitgrösste Wasseroberfläche im ganzen Naturreservat. Ihre Grösse misst ungefähr 5'500 Hektaren und die durchschnittliche Tiefe ist rund 3.5 Meter. Gleich wie bei allen anderen Lagunen in diesem System, weist das Wasser eine blau-ockerne Farbe auf. Diese ist auf den lehmigen Untergrund, welcher sehr reich an organischem Material ist, zurückzuführen. Dieser grosse Wasserkörper und seine Ausläufer umringen das Dorf Colonia Carlos Pellegrini und verwandeln dieses sozusagen in eine Halbinsel. Die Hauptzufahrt zum Ort bildet ein Damm und eine malerische Brücke, erstellt in den 70er Jahren.

Perfektes Szenario im Arroyo "Corrientes". Den Sonnenuntergang geniessen. Im Sommer sieht man öfters Brände im hohen Weideland, welche von den Gauchos gelegt werden, damit neues Gras für das Vieh wächst.

Die Lagune Iberá zählt diverse Ausfläufer und Kanäle, welche von den Ortsansässigen als "Arroyos" (Bäche) bezeichnet werden. So entsteht zum Beispiel der Arroyo "Miriñay" im Südosten und bringt Wasser von den Sumpfgebieten "Camba Trapo" und "Jukei" mit sich. In der Umgebung dieses Baches überwiegt vor allem der schwimmende Erdboden mit Moorpflanzen wie Binsen und Schilf. In diesem engen Kanal finden wir so ziemlich alle wilden Tierarten wie zum Beispiel Kaimane, Wasserschweine, Sumpfhirsche sowie eine unvergleichliche Anzahl an Vögeln wie Reiher, Fischer, Moorhühner, Halsbandwehrvogler, Rotkopfstärlinge etc. Im Sommer finden wir oft Nester von Kaimanen (brüten die Eier von Januar bis März) oder enorme Netze der ungefährlichen Kolonialspinnen.

Der Schmuckreiher lässt sich auf dem Rücken eines Wasserschweins transportieren. So ist es ihm möglich, Fische und Insekten zu fangen, die aufgrund der Fortbewegung des Säugetiers aufschrecken. Er hält so das Wasserschwein parasitenfrei und somit ist es für beide Parteien eine nützliche Situation.

An der Küste "Paso Claro", die den Name von den ersten Ansiedlern erhalten hat, finden wir ein Ufer vor, welches uns teils Sumpfgebiet und teils gebüschähnlichen Wald präsentiert. Dieses Ufer bietet zweifellos eines der besten lokalen Landschaftsbilder. Es ist der ideale Ort, um die gelbe Anakonda aufzuspüren, welche in den Wintermonaten aus den Verstecken kommt, um die Sonne zu geniessen oder um zu verdauen. Im Frühling und im Sommer zeigen sich viele Strandvögel, die sich an den Sandküsten ihre Nahrung suchen. Auf der anderen Seite, in Richtung Südwesten, stossen wir auf den Arroyo "Corrientes", welcher auf natürliche Weise von der Lagune abgelaufen ist. Hier treffen wir auf eine ganz andere Vegetation: feuchtes Grasland, Gebüsch-Wäldchen mit kleinen Bäumen. Es ist unglaublich, wie viele verschiedene Tiere hier gemeinsam auf einem kleinen Stück Land leben. Von Kaimanen in verschiedenen Grössen, über grosse Wasserschwein-Herden, Vögel in allen Farben, Fische in den Schlammbänken bis hin zu unzähligen Insektenarten. Die Farben der aquatischen Pflanzen sind vor allem in den Frühlings- und Sommermonaten einmalig: Wassermohn in intensivem Gelb, violette Hyazinthen, weisse Wassersternchen mit ihrer unverwechselbaren Form.

Die Wasser-Exkursionen werden in leichten Motorbooten durchgeführt, welche alle mit Schwimmwesten ausgestattet sind. Die kleinen Motoren dienen vor allem dazu, die Emissionen zu reduzieren und die Geräuschkulisse so leise wie möglich zu halten. An einigen Stellen wählt der Bootsführer zur Weiterfahrt eine Art Paddel aus Bambus (im Stil der Gondeln in Venedig), um ruhig und lautlos vorwärts zu treiben. Dies ist sehr wichtig, um sich den Tieren zu nähern und die Klänge der Natur zu geniessen.

Auf dieser Tour kann die Bekleidung frei gewählt werden: kurze oder lange Hosen, Schuhe oder FlipFlops, Shirts oder Hemden, jeweils der Wetterlage angepasst. Nicht zu vergessen ist die Fotokamera, Trinkwasser und Hut oder Kappe. Es empfiehlt sich, Plastiksäcke mitzubringen, um ihre elektronische Ausrüstung bei Regen oder bei Wind vor Wasser zu schützen.

Alle Exkursionen dauern ca. 2 Stunden und finden morgens oder nachmittags statt. Normalerweise finden diese ab ca. 07.30 Uhr und ab 16.00 Uhr statt. Die Exkursion und deren Uhrzeiten werden am Vortag gemeinsam mit den Passagieren vereinbart.

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